Was früher noch als „Sodomie“ streng bestraft wurde, ist inzwischen gesellschaftliche Normalität: die Homosexualität. Heute ist sie Realität inmitten unserer Gesellschaft – und damit auch beim Film. 

Einen erotisch aufgeladenen Schwulen-Film drehte etwa Federico Fellini 1969 mit Satyricon. Fellini schuf ein Fresco über Dekadenz, Homoerotik und Groteskerie im hedonistischen Rom Neros. Das Buhlen des jungen Encolpius und seines Freundes Ascyltus bei der Partnersuche um den wunderschönen Knaben Gitone wird in übervollen, überwältigenden Bildern erzählt. 

Der vielleicht berühmteste schwule Film ist die französische Komödie Ein Käfig voller Narren (frz. La Cage aux Folles), der im Drag-Queen-Milieu angesiedelt ist. Hier wird mit Homosexualität erstmals ironisch umgegangen, doch Edouard Molinaro festigte mit diesem wirklich köstlichen Film unabsichtlich zugleich die Marginalisierung, da Schwule hier deutlich als etwas Außergewöhnliches dargestellt werden. 

Sehr bewegend ist das US-Drama Philadelphia von Jonathan Demme aus dem Jahr 1993. Es erzählt die Geschichte des Arbeitsrechtsprozesses eines schwulen Anwalts gegen seine Kanzlei, die ihn wegen seiner AIDS-Erkrankung entlassen hat. Tom Hanks und Antonio Banderas spielen das schwule Paar sehr echt und anrührend. 

Obwohl jungen Datums (2005) erregte der US-Film Brokeback Mountain großes Aufsehen. Das Werk des chinesischen Meister-Regisseurs Ang Lee stellt die schwule Liebesbeziehung ausgerechnet zwischen zwei Cowboys dar. Galt zuvor der Cowboy als Personifikation von Virilität und Stärke, genial verkörpert vor allem von dem unvergessenen John Wayne, erschien Brokeback Mountain als Tabubruch. 

Inzwischen ist jedoch die Homosexualität in der Mitte der Gesellschaft angekommen, was man u.a. daran merkt, dass sich Schwule und Lesben ohne weiteres auch bei einer Partnerbörse anmelden können. Und da der Film die Realität stets spiegelt, sind Homosexuelle natürlich vor wie hinter der Kamera zu finden. Vor allem das Coming Out von Rock Hudson, in seinen Filmrollen stets Frauenschwarm und Weiberheld, führte zu einer Normalisierung und schließlich Akzeptanz der Homosexualität im und beim Film. Dass es heute schwule Schauspieler, Cutter, Art Directors oder Regisseure gibt, wird gottlob als ganz normal empfunden. So wird das Filmset nicht selten zu einer homosexuellen Kontaktbörse.

 Lars Janowitz, Hamburg

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