Im Oktober 2001 starb einer der einflussreichsten Anthropologen der Gegenwart: Marvin Harris, der bekannteste Vertreter des “Cultural Materialism”, lehrte in New York und Florida. In seinem bekanntesten Werk Menschen. Wie wir wurden, was wir sind (1989) widmet er zahlreiche Gedanken dem Thema Homosexualität. Er kommt hier zu dem pessimistischen Schluss, Homosexuelle hätten sich “zu einer eigenen Gemeinschaft entwickelt, die stark an eine ethnische Minderheit erinnert”. Obwohl die gesellschaftliche Toleranz in Westeuropa und den USA gegenüber Schwulen und Lesben stark gestiegen ist, gibt es für Homosexuelle noch immer keine “Normalbiographie”. Schwul oder lesbisch zu sein, konstatiert man nicht einfach. Man muss es sich in einem langen Kampf erarbeiten. Viele zerbrechen daran. 

Die Kirche erleichtert das Coming-out von Homosexuellen auch nicht gerade. Während der moralische und politische Einfluss der Kirche in Westeuropa stetig schwindet, ist in den meisten anderen Teilen der Welt eine beeindruckend starke Renaissance des Glaubens zu verzeichnen, allen voran in den USA, God’s own country, wie sie von Fundamentalisten genannt werden. Die katholische Kirche sieht eine homosexuelle Veranlagung nicht als sündhaft an, wohl aber homosexuelles Verhalten. Homosexualität wird im katholischen Weltkatechismus als “Abirrung” bezeichnet, die “in keinem Fall zu billigen” sei. In den protestantischen Kirchen distanzieren sich immer mehr Geistliche und Gläubige von der früheren rigiden Haltung gegenüber Schwulen und Lesben und fordern mehr Toleranz. Im Islam dagegen steht noch immer ein Zeitalter der Aufklärung aus: Homosexualität verstößt in der patriarchalischsten aller Weltreligionen gegen die göttliche Ordnung und wird praktisch überhaupt nicht thematisiert.

In deutschen Großstädten haben sich teilweise große lesbisch-schwule Subkulturen entwickelt. Doch noch immer gibt es Schwierigkeiten. Der Hamburger Stadtteil St. Georg etwa galt über Jahre als Multikulti-Vorzeigestadtteil, inwischen aber separieren sich Schwule und Moslems sehr stark. Fast täglich gibt es gewaltsame Übergriffe auf Schwule durch Islamisten. 

Am sichersten und einfachsten ist die Partnersuche für Homosexuelle noch immer per Internet. Das Angebot an Gay-Seiten ist unüberschaubar und wird täglich größer. Inzwischen haben sich auch längst die großen seriösen Online-Partnervermittlungen für Homosexuelle geöffnet. Wer einen gleichgeschlechtlichen Partner sucht, ist hier sicherlich am besten aufgehoben.

Lars